„Finster war die Nacht“

Samstag, 16. Juni 2018, 15.00 Uhr, Festspielgelände Kaltehofe, Wetter: heiß, schwül

Theater ohne Technik und Requisten, nur auf einer improvisierten Bühne mitten im Freien, kann das funktionieren? Die Blicke unserer Hauptsponsorin, der Marketingleiterin von Cargill, Frau Wulf, sind skeptisch. Nach den ersten Worten des S-2 Kurses Theater vom Charlotte-Paulsen-Gymnasium wandelt sich ihr Gesicht. Konzentriert sieht sie den Jugendlichen zu, die mit dem Theaterstück „Finster war die Nacht“ die Kriegs Traumata des Flüchtlings Mohammad aus Syrien auf die Bühne bringen. Das Stück hat Dirk Schattner geschrieben. Er ist auch der Organisator dieses Theatertreffens für Schüler. Mitten durch das Naturparadies Kaltehofe hallen die verzweifelten Rufe von Mohammad nach seiner Schwester Alessa, die er im Krieg verloren hat. Frau Wulf kommt nach dem Stück auf mich zu: „Das Stück ging mir mitten ins Herz. Ich habe die ganze Zeit mitgefiebert – die Schüler haben so mitreißend gespielt“ Theater auf der freien Wiese – geht doch.

Sonntag, 17. Juni 2018, Wetter: windig, bewölkt, Regen liegt in der Luft

Auf dem Platz stapeln sich Paletten, Absprerrungsband, Pappkartons und Farben. Hier soll heute am Sonntag, den 17. Juni, eine Theater/Kunstinstallation zu Texten aus Vergils Äneis entstehen. Die IVK-Klasse des Charlotte-Paulsen Gymnasiums sieht noch etwas ratlos aus. Das ändert sich schnell, als Dirk Schattner und seine Mitarbeiterin mit den Jugendlichen anfangen Installationen zu bauen. Begeistert hämmern, sägen, bohren die Schüler Löcher, binden Pappkartons zusammen und bauen ein Bett für die Königin aus Troja. Mittags fallen die IVK Schüler erschöpft auf die Wiese. Dirk Schattners selbstgekochter Bohnen-Linsen Eintopf verleiht ihnen neue Kräfte. Gegen Nachmittag wird geprobt, zu jedem der Texte entsteht eine kleine Szene. Die Schüler überwinden in ihrem Theaterspiel Zäune, trommeln und Nazo aus dem Irak liegt als traurige Königin auf dem selbstgezimmerten Bett am Weiher. Als gegen 17.00 Uhr das Publikum kommt, laufen die Kids noch mal zur Höchstform auf. Nachdem alle gegangen sind, stehen die Paletten, Farben und Trommeln verloren auf dem Festplatz herum, als wollten sie sagen: Und jetzt?