Kunstpioniere: Pressekonferenz in den Deichtorhallen zu der Ausstellung Die jungen Jahre der alten Meister

„Sind Sie von der Presse ?“, fragt uns der Türsteher, als wir die Deichtorhallen betreten.

Von der gegenüberliegenden Wand springt uns das neonorange Titeldesign entgegen: „BASELITZ RICHTER POLKE KIEFER – Die jungen Jahre der alten Meister“. Frau Strahlendorf meldet uns an, und wir bekommen eine exklusive Pressemappe. Rechts stehen Stuhlreihen vor einem langen Tisch mit Mikros – so, wie man es sich von einer Pressekonferenz vorstellt – im Hintergrund vier Banner mit überlebensgroßen Fotos der Künstler. Am Tisch nehmen Dirk Luckow, der Intendant der Deichtorhallen, und Götz Adriani, der Kurator der Ausstellung, platz.

Zu Beginn bekommen wir eine kleine Einführung: Diese Ausstellung wurde zum 30-jährigen Jubiläum der Deichtorhallen konzipiert, die am Tag des Mauerfalls eröffnet wurden. Drei der Künstler kommen aus der DDR. Zwischen den Werken gibt es zeitliche Parallelen, aber formale Umbrüche. Auch inhaltliche Parallelen sind zu finden, doch jeder Künstler beschäftigt sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit der Nachkriegszeit.

Baselitz zeigt mit seinen Heldenbildern verstörte, verletzte und kaputte Anti-Helden, die aus dem Krieg zurückkehren. Polke übt mit Sarkasmus Kritik an der Konsumgesellschaft der Nachkriegsgeneration. Kiefer setzt sich mit der Nazi-Vergangenheit seines Vaters auseinander, und beschäftigt sich zudem mit den von Nationalsozialisten missbrauchten nordischen Mythen und Sagen. Richter malt scheinbar banale Fotos aus Zeitschriften ab, und setzt dann einen trockenen Pinsel an, um den charakteristischen, verwischten Effekt zu erzielen. Die  Geschichten hinter seinen Bildern machen das Kunstwerk erst komplett, erst dann entfalten sie ihre volle Wirkung.

Jeder Künstler hat seinen eigenen Bereich in der Ausstellung, die Werke seien schlicht zu verschieden, als dass man sie hätte gemeinsam hängen können. Jedoch kann man vom Zentrum der Ausstellung alle Bereiche einsehen, was eine Verbindung zwischen den Künstlern und ihren Werken schafft. Baselitz, Richter und Kiefer sind zuvor noch nicht gemeinsam ausgestellt worden, dennoch unterstützten sie diese Idee, obwohl sie in Konkurrenz zueinander stehen.

„Warum werden gerade diese vier Künstler ausgestellt?“ Sie haben als Erste internationale Anerkennung erhalten, und haben den Grundstein für die Entwicklung deutscher Nachkriegskunst gelegt. Eine kontroverse Frage zum Abschluss: „Warum ist keine Künstlerin unter den Auserwählten?“ Adriani antwortet, es hätte schlichtweg keine bedeutenden Künstlerinnen gegeben. Es protestiert lediglich ein Journalist. Dies ist eben eine sogenannte Blockbusterausstellung, bekannte Namen locken viele Besucher an.

 

Rhea Schröder, Tabea Hanft, Leona Adam (Kulturprofil, S1)